MicroMountains Applications AG

 

Mittelständler steigen erfolgreich in die Mikrosystemtechnik ein

zur Großansicht auf Bild klicken

Ob Mikroschalter aus Rottweil oder miniaturisierte Steckverbinder für die elektrische Kopfstützenverstellung aus Wernau... mittelständische Zulieferer aus dem Südwesten steigen erfolgreich in die Mikrosystemtechnik ein, um damit auf dem Weltmarkt einen Vorsprung zu gewinnen. Über konkrete Beispiele berichtete die MicroMountains Applications AG im Rahmen ihrer ersten Pressekonferenz am heutigen Mittwoch in Villingen- Schwenningen.

Die MicroMountains Applications AG ist Anfang 2007 aus dem Verein MicroMountains Network e.V. mit Förderung durch das Bundesforschungsministerium hervorgegangen. Ihre Aufgabe ist es, kleine und mittelständische Unternehmen bei der professionellen Anwendung der Mikrosystemtechnik zu unterstützen sowie Innovationen aus der Forschung zur industriellen Serienreife zu bringen. „Nach der Aufbauphase, in der bereits mehr als zehn Entwicklungsaufträge mit Unternehmen vereinbart wurden, hat die AG am 1. Oktober den eigenständigen Geschäftsbetrieb aufgenommen“, berichtete Thomas Link, Vorstand MicroMountains Applications AG.

Zu den ersten der derzeit zehn Projektaktivitäten zählen u.a. die Projektpartner ddm hopt+schuler GmbH & Co. KG aus Rottweil, Hersteller von Schaltern, Chipkarten-Kontaktier- und –Lesesystemen und die 2e-mechatronic GmbH & Co.KG aus Wernau bei Stuttgart, die unter anderem Steckverbinder und spritzgegossene dreidimensionale Schaltungsträger für die Automobilindustrie fertigt. Beide Unternehmen stellten im Rahmen der Pressekonferenz beispielhafte mikrotechnische Innovationen vor und berichteten, dass der Bedarf der Maschinenbau- und Automobilindustrie an miniaturisierten Zulieferteilen rapide zunehme. Als innovative Mittelständler wolle man diese Chance nutzen. Sie appellierten an die heimische Industrie, das neue anwendungsorientierte Dienstleistungsangebot der MicroMountains-Initiative ebenfalls zu nutzen, um bei der Miniaturisierung Schritt zu halten.

Mit der MicroMountains Applications AG habe man einen Partner gefunden, der Ideen des Unternehmens professionell umsetze und bestimmte Entwicklungsvorhaben beschleunige, bestätigte Karl-Rudolf Hopt, Geschäftsführer bei ddm hopt+schuler GmbH & Co. KG. Das MicroMountains-Team kenne sich in den verschiedenen Fachgebieten bestens aus, die man bei der Entwicklung neuer Mikrosysteme mit einbeziehen muss. Dieses Know-how entlaste die eigene Entwicklungsabteilung. Dr. Andreas Pojtinger, Technischer Leiter der 2emechatronic, ergänzte, die Zusammenarbeit mit der Forschung gestalte sich effizienter, da die MicroMountains Applications AG die Sprache beider Seiten spreche – der Industrie und der Wissenschaft.

Thomas Albiez, Hauptgeschäftsführer der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg und Aufsichtsratsvorsitzender MicroMountains Applications AG, zeigte sich zufrieden mit der erfolgreichen Gründungsphase. Das junge Team habe innerhalb weniger Monate ein ausgesprochen breites Feld bearbeitet und sowohl im Bereich der Automobilzulieferindustrie, als auch in der Kunststoff verarbeitenden, elektrotechnischen und medizintechnischen Industrie Entwicklungsaufträge erhalten. Die Bereitschaft mittelständischer Unternehmen, in die Mikrosystemtechnik zu investieren, sollte jedoch weiter wachsen, erwartet Thomas Albiez. Prof. Dr. Holger Reinecke, Leiter des Instituts für Mikro- und Informationstechnik der Hahn-Schickard-Gesellschaft (HSG-IMIT) in Villingen- Schwenningen, ergänzte, dass es auch auf regionaler Ebene nach wie vor erhebliche Potenziale für die Miniaturisierung gebe. Besonderen Entwicklungsbedarf sehe das HSG-IMIT unter anderem in den Bereichen Mikromedizintechnik, Mikrosensorik, bei flexiblen Mikrosystemen und energieautarken Systemen.

Die MicroMountains Applications AG
Mikrotechnologien zügig zur industriellen Anwendung bringen – mit der MicroMountains Applications AG stellt sich ein völlig neuartiger Dienstleister dieser Herausforderung. Das Anfang 2007 gegründet Unternehmen mit Sitz in Villingen- Schwenningen will besonders den kleinen und mittelständischen Unternehmen mit neuen Methoden des Technologietransfers helfen, die Chancen der Mikrosystemtechnik zu nutzen. Die AG operiert dabei als selbstständiger Dienstleister, Projektmanager und Mittler zwischen Industrie und Forschung. Sie erleichtert den Unternehmen die komplexe Produktentwicklung und hilft Forschungsinstituten, ihre Ideen und Erfindungen industriell zu verwerten. Die MicroMountains Applications AG zählt zu den sechs deutschen Applikationszentren (= Anwendungszentren) für Mikrosystemtechnik, die das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in ein spezielles Förderprogramm aufgenommen hat. Das Applikationszentrum hat den Auftrag, Hürden für die Anwendung innovativer Mikrotechnologien zu beseitigen sowie Lücken zwischen wettbewerbsneutraler Forschung und gewerblicher Nutzung zu schließen.

Hervorgegangen ist die MicroMountains Applications AG aus dem MicroMountains Network, einer Wirtschafts- und Technologieinitiative der IHK Schwarzwald-Baar- Heuberg. Der Initiative haben sich zahlreiche Unternehmen und Institutionen dieser baden-württembergischen Region angeschlossen. Der Name MicroMountains erinnert an das traditionsreiche Know-how dieses Standortes auf dem Gebiet der Feinmechanik, Präzisions- und Mikrotechnik. Die Region ist seit Jahrzehnten das Weltzentrum der Medizintechnik und war einst die Heimat der Uhrenindustrie. Hunderte von Automobilzulieferern haben hier ihren Sitz, ebenso namhafte Hersteller von Werkzeugmaschinen, Elektrotechnik, Elektronikkomponenten und Kunststoffprodukten. Die MicroMountains Applications AG kann auf die enge Kooperation mit namhaften Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen aus Baden-Württemberg zurückgreifen. Insbesondere sind hier die Institute der Hahn-Schickard- Gesellschaft in Villingen-Schwenningen und Stuttgart (HSG-IMIT und HSG-IMAT), das Institut für Mikrosystemtechnik (IMTEK) der Universität Freiburg, die Hochschule Furtwangen University (HFU) mit ihrem Institut für angewandte Forschung (IAF) sowie das Forschungszentrum Karlsruhe (FZK) zu nennen. Das Applikationszentrum verfügt über einzelfachliche und interdisziplinäre Kompetenzen für sämtliche Fragestellungen aus den Bereichen Mikrosystemtechnik, Mikrospritzguss, Medizintechnik und Mechatronik. Es integriert alle Arbeitsfelder und Dienstleistungen für Industriekunden, um Innovationen zügig zu realisieren.

Der Mikrosystemtechnik-Markt
Mikrosysteme oder Micro Electro Mechanical Systems (MEMS) sind stark miniaturisierte technische Einheiten, die als Sensoren, Mess-, Analyse-, Steuerungssysteme und für zahlreiche weitere Zwecke verwendet werden. In der Mikrosystemtechnik wachsen Mikromechanik und Mikroelektronik zusammen. Unter anderem zählen die Sensoren der Airbags im Auto, LCD-Bildschirme oder die Druckköpfe in Tintenstrahldruckern zu den klassischen Mikrosystemen. Immer mehr neue Anwendungsgebiete zeigen sich in der Biotechnologie, Medizin-, Umwelt-, Produktions-, Flugzeug- und Automobiltechnik, Konsumelektronik und auf weiteren Märkten. Der Weltmarkt der Mikrosysteme (Gesamtsysteme) erreichte 2006 ein Umsatzvolumen von 40 Mrd. US- wächst jährlich um ca. zwölf Prozent. Der Komponentenmarkt entwickelt sich ebenso stark und lag 2006 bei 6 Mrd. US- So die Studien der auf Mikrosystemtechnik spezialisierten französischen Beratungs- und Marktforschungsgesellschaft Yole Développment. Der deutsche Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE) legt eine andere Messlatte an und kommt aktuell auf 277 Mrd. € Weltmarktvolumen. Allein die deutsche mikrotechnische Industrie setzt demnach zurzeit 70 Mrd. € um, wächst jährlich um 15 Prozent und beschäftigt 6800.000 Menschen. Die unterschiedlichen Zahlen zeigen, dass Mikrosystemtechnik im Unterschied zur Mikroelektronik differenziert zu betrachten ist. Die Branche ist in eine Vielzahl von Spezialgebieten aufgesplittert. Vielen kleinen, zumeist jungen High-tech-Firmen stehen einige Großhersteller wie Bosch, Infineon, Texas Instruments und Hewlett Packard gegenüber. Ein Drittel der Hersteller vereint 88 Prozent des Umsatzvolumens auf sich. Wichtigste Produktionsstandorte und Absatzmärkte sind Nordamerika, Japan und Singapur und in Europa unter anderem die Standorte Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Sachsen, Nordrhein-Westfalen sowie die Schweiz.

 
top     zurück     drucken